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Kapitel 11 - Okavango-Delta Teil I

Aktualisiert: 9. März 2023

Von der erfolgreichen Suche nach einem Gasflaschen-Befüller und anderen Besorgungen
im wuseligen Maun, der pfützenreichen Fahrt in das Moremi Game Reserve im weltberühmten Okavango-Delta, einem unserer absoluten Sehnsuchtsorte, Geburtstagsfeiern im Busch und vielen spannenden Tierbegegnungen.


Montag, 27. Dezember 2021

Crocodile Camp, Maun

Tag der Besorgungen. Nach einem ganz ordentlichen Frühstück machen wir uns gegen 9 Uhr auf den Weg in die Stadt. Als erstes natürlich zum Gasflaschen füllen, dazu fahren wir an die Kreuzung, wo wir letztes Mal schon nach ewigem Suchen dann endlich fündig wurden. Dies brächte auch den Vorteil, dass wir uns danach «von hinten nach vorne» durch die Stadt arbeiten können.


Wir fahren etwas zu weit, kommen dadurch bei Midas vorbei - einer Ladenkette im südlichen Afrika, was man bei uns wohl Eisenwarenhandel nennen würde und die auch immer allerlei Camping-Bedarf im Sortiment führt. Wir kaufen gleich mal Holzkohle und eine grosse Plane für unter das Bodenzelt. Dabei fragen wir auch grad nach einem Gashändler. Es sei direkt einer schräg vis a vis, da ist heute aber keiner da. Also zurück in Richtung Zentrum und nun finden wir den Gashändler von letztes Mal direkt neben der Shell Tankstelle. Da ist ebenfalls keiner, es ist aber eine Telefonnummer angeschlagen, die man anrufen kann. Der Herr am anderen Ende der Leitung bescheidet, er habe kein Gas für die Campinggasflaschen. Geht das schon wieder los…


Beim nächsten Händler unten in der Stadt; der ist sehr nett, hat aber gerade keinen Strom und kann daher die Pumpe nicht bedienen. Ich lamentiere, er vertröstet uns, wir sollen später wieder kommen. So fahren wir durch die Stadt und erledigen erstmal das Auffüllen der Trinkwassertanks beim Wasserladen Aquarite, dann wollen wir beim nahen Kalahari Canvas vorbei, um wegen Gas zu fragen (und eventuell nochmals auf das schon länger ins Auge gefasste Nessessaire zu schielen…), heute aber auch geschlossen.


Beim Vorbeifahren sehen wir das Schild eines Computer-Ladens. Wir haben immer einen kleinen Fotodrucker mit dabei aus unserem Lager in Windhoek, auf dem wir unsere persönlichen Postkarten drucken - und wie wir feststellen mussten, hat dieser dringend eine Reinigung der Walzen nötig. Wir fahren dem Schild nach durch ein heruntergekommenes Quartier, können aber das angepriesene Geschäft nicht finden.


Also geht es weiter ums Eck zu den wohlbekannten Beef Boys direkt bei Riley’s Garage - leider auch geschlossen.


Wir fragen in der Nähe bei einem Handyladen und einer Elektrizitätsbude noch rum wegen dem Drucker und werden an ein Geschäft oben im Industrieviertel bei der Tanke/Midas verwiesen.

Beim Suchen auf Google Maps sehe ich, dass ein Viking Gas gleich nebenan ist… Da wollen wir doch nochmals unser Glück versuchen und tatsächlich, als wäre es das normalste der Welt, werden unsere beiden Flaschen endlich abgefüllt!


Der Drucker-Laden - sinnigerweise mit «Maun Printers» bezeichnet - hat natürlich ebenfalls geschlossen. Es ist echt nicht einfach, durchzublicken, welches Geschäft an einem solchen «Bank Holiday» seine Pforten öffnet und welches nicht.


So fahren wir halt zurück in die Stadt zum Spar und erledigen dort die Einkäufe. Anschliessend rüber zur Engen zum Volltanken, gleich vis-a-vis gibt es noch ein paar Souvenir-Händler, wo wir noch Stoffe erstehen wollen. Auf dem Weg dorthin entdecke ich gleich daneben einen weiteren Computer-Laden, na, der heisst halt einfach «Maun Computers». Da werde ich vorstellig und frage kurz nach - ja klar, sowas würden sie sehr gerne machen. So holen wir das Teil aus dem Auto und ich erteile dem aufgeweckten Burschen den Auftrag mit dem Hinweis, dass wir erst in gut acht Tagen wieder hier vorbeikommen und sie sich somit locker die Zeit nehmen können, die sie brauchen.


Das ist auch Botswana: Mitten in der Stadt latschen Kühe über die Kreuzung

Bei einem sehr netten Händler kaufen wir nachher unsere Stoffe, halten noch kurz bei Clicks und fahren dann ins Hotel zurück. Auf dem Parkplatz, als wir gerade unsere Sachen einräumen, quatschen wir noch kurz mit einem deutschen Paar, das seit nicht weniger als 14 Jahren während sieben bis acht Monaten pro Jahr die ganze Welt bereist.


Kaum sind wir auf dem Zimmer, ruft «Maun Computers» an und sagt, dass sie fertig seien und wir den Drucker abholen könnten. Noch ist es nicht so spät, also entscheiden wir uns spontan, nochmals die 12 km in die Stadt zu fahren. Das aber war ein Schuss in den Ofen, denn als wir direkt vor Ort einen Testdruck machen wollen, stimmt etwas noch nicht und die Patrone wird nicht mehr erkannt. Wir lassen ihm den Drucker da und sagen, er soll es klar machen, wir kommen in gut einer Woche wieder.


Zurück im Hotel, mache ich mich für eine Laufrunde parat, als er wieder anruft und meint, er hätte das Gerät nun wirklich geflickt. Ich frage eher etwas lapidar, ob er das Ding dann nicht einfach hier zu uns ins Crocodile Camp schicken kann, wir kämen jetzt nicht mehr vorbei und morgen früh auch nicht. Ja klar, das sei doch überhaupt kein Problem, er mache sich gleich auf den Weg, lässt er mich wissen. Ich bin etwas perplex und mache mich derweil auf die Socken und laufe meine 10 km. Es ist doch noch sonnig und mit immerhin noch 30°ganz schön warm, die letzten 2 km musste ich dann noch ein bisschen beissen.


Grad als ich zurück auf das Zimmer komme, ruft die Rezeption an, der Mann stünde hier mit dem Material. Wir machen gleich wieder einen Test, nun ist alles in Ordnung, das Teil druckt wieder. Ich drucke noch ein Foto von der Löwin aus dem Central Kalahari GR aus und gebe es ihm. Er freut sich riesig, strahlt über das ganze Gesicht und bittet mich, ihm eine Widmung hinten drauf zu schreiben.


Dann dusche ich und anschliessend ist es Zeit für einen Drink und das Abendessen an der Bar. Wir bestellen uns eine Pizza, die extrem viel Käse drauf hat, später wird mir fast etwas schlecht davon. Na ja, man müsste ja auch nicht nach Afrika, um eine Pizza zu essen.


Daten des Tages

Tageshöchsttemperatur: 32° C

Tageskilometer: 72,1 km


Dienstag, 28. Dezember 2021

Crocodile Camp, Maun - South Gate Campsite, Moremi Game Reserve

Die Fahrt heute wird nicht allzu lang, daher können wir uns noch schön Zeit nehmen am Morgen, gemütlich frühstücken, zusammenpacken und das Auto einräumen, auschecken und den Brauchwassertank auffüllen.


Dann fahren wir los, halten aber nach ein paar Hundert Meter am Strassenrand bei einem der Händler, um Feuerholz zu kaufen. Die freuen sich immer sehr und bei einem sehr netten Mann kaufen wir acht Bündel Mopaneholz.


Bis zum Dorf Shorobe ist noch Teerstrasse, dann geht es über in eine noch recht gute Sandpiste. Es hat einige grosse Pfützen, die noch ohne Probleme zu meistern sind. Ab dem Abzweig auf die Piste zum South Gate dann hat es sehr viele Pfützen, alles nicht sehr tief, ist aber sehr anstrengend zu fahren. Gas geben, bremsen, vorsichtig reinfahren, wieder Gas geben, eine Schlammkuhle nach der anderen. Unterwegs sehen wir schon ein paar Impalas, ein Warzenschwein huscht davon, drei Giraffen recken ihre Hälse nach uns.



Nach 77 km, etwas mehr als zwei Stunden und schon kurz nach 11 Uhr kommen wir am Gate an. Der Ranger prüft unsere Reservationen und Permits sehr genau, es hat aber alles seine Richtigkeit und so hat uns der Moremi nach knapp vier Jahren endlich wieder. Die Campsite liegt direkt neben dem Gate, die Stellplätze sind schön unter riesigen Bäumen angelegt, sind aber etwas eng beieinander und bieten keinerlei Aussicht. Für eine erste Nacht aber ist das natürlich vollkommen okay.


Nach dem Zeltaufbau gibt es einen leckeren Kaffee und ein Würfelspiel, dann wird noch ein Stündchen gechillt und kurz nach 15 Uhr machen wir uns auf zu einem ersten Gamedrive. Wir fahren die Hauptpiste hoch bis zur Xini Lagoon, wie vom Ranger am Gate empfohlen.


Swainsonfrankolin (Swainson's Spurfowl)

Es sind nur sehr wenig Tiere zu sehen hier, einige Impalas, ein paar Giraffen. In diesem Teil des Parks ist es noch sehr waldig oder stark verbuscht, daher hat man wenig Überblick. An einer offenen Stelle mit einem grösserem Tümpel hat es etliche Wasservögel, die wir «abarbeiten» können.


Bei den Xini Lagoons dann gibt es schöne, offene Ebenen mit ein paar Tümpeln und Palmen.


Sehr typische Landschaft auf der Moremi-Landzunge im Okavango-Delta, hier in der Gegend der Xini Lagoons

Wir sehen zwei Kuduweibchen und zwei Mal ein paar Warzenschweine davon rennen. Dann fahren wir langsam wieder zurück. Beim Weiher ein paar Kilometer vor dem Gate entdecken wir ein einzelnes Hippo, das wir zuvor bei der Hinfahrt wohl übersehen hatten. Zudem entdecke ich auf einem Ast eines abgestorbenen Baumes zwei Zimtroller (Broad-billed Roller), für ein Foto sind sie aber leider zu weit weg - für uns eine Erstsichtung.


Tümpelbewohner: Nilgänse im Vorder-, das Hippo im Hintergrund

Eine Horde Paviane guckt neugierig zu uns rüber und zu einem vermutlich anderen Clan auf der anderen Seite des Tümpels.



Auf der Rückfahrt erspähen wir nochmals ein paar Giraffen, teils mit Jungen, ganz nah am Weg.



Kurz nach 18 Uhr sind wir zurück auf der Campsite und machen ein Feuer. Heute gibt es Rosmarin-Kartoffeln in der Folie, Baby-Zucchetti und feine Sirloin Steaks. Nach dem Essen sitzen wir noch eine Weile am Feuer und lauschen der grossartigen Geräuschkulisse, verursacht von Fröschen, Grillen, irgend einem Reiher, Käuzen und anderen Kreaturen.




Daten des Tages

Tageshöchsttemperatur: 36° C

Tageskilometer: 108,9 km


Mittwoch, 29. Dezember 2021

South Gate Campsite - 3rd Bridge Campsite

Gegen 4:30 Uhr zieht ein Gewitter auf. Schnell räume ich weg, was ins Trockene muss und wir bleiben noch ein wenig länger im Zelt liegen und stehen «erst» um 5:40 Uhr auf. Eine Stunde später sind wir abfahrbereit, schon kurz darauf entdecken wir die ersten Zebras. Man kommt wegen der schlammigen, holprigen Piste so oder so nur langsam voran, aber wir nehmen uns viel Zeit, bestimmen viele neue Vogelarten, geniessen die schöne, leuchtend grüne Landschaft.



Immer wieder treffen wir auf grössere Gruppen Impalas, einige Zebras, sehen recht viele Giraffen, einmal erblicken wir auch die ersten Tsessebe.


Einer meiner absoluten Lieblingsvögel mit etwas holprigem deutschen Namen, der Senegalliest - auf English wunderschön und passend Woodland Kingfisher genannt

Nach etwa der Hälfte des Weges wird die Landschaft offener, es gibt immer wieder kleinere und grössere Tümpel mit vielen Wasservögeln: die so typischen Sattelstörche (Saddle-billed Stork), Nimmersatt (Yellow-billed Stork), Löffler (African Spoonbill), Ibisse, Klaffschnabel (African Open-billed Stork), einmal zwei Klunkerkraniche (Wattled Crane), unzählige Nil- und Sporngänse (Egyiptian- / Spur-winged Goose), diverse Enten, darunter Glanzente (Knob-billed Duck), Witwenpfeigans (White-faced Whistling Duck), die schöne Pünktchenente (Blue-billed Teal), diverse Reiherarten und natürlich die allgegenwärtigen Waffen- oder Schmiedekiebitze (Blacksmith Lapwing), da und dort auch ein Hippo.


Sichler (Glossy Ibis), im Hintergrund ein Blaustirn-Blatthühnchen (African Jacana)

In einem dicht bewachsenen Abschnitt tauchen unvermittelt Elefanten vor uns auf.



Es handelt sich um eine grössere Herde, sie essen in aller Ruhe, aber als wir gerade ankommen und sie erst recht spät sehen (ein anderes Auto kommt auch gerade entgegen), trompetet einer ganz nah sehr laut. Diese Botschaft kommt natürlich an, wir setzen etwas zurück, aber wohl noch nicht genug in der Meinung eines halbwüchsigen Bullen - als er die Piste überquert, zeigt er kurz, wer hier das Sagen hat:



In einem abgestorbenen Baum sitzt schön fotogen ein Schreiadler (Lesser Spotted Eagle), nach einer Weile würgt er sein Gewölle hoch.



Gabarhabicht (Gabar Goshawk, juv.)

Nach fast fünf Stunden Rumgezuckel erreichen wir die 3rd Bridge Campsite. Von der Rangerin am Gate werden wir schon mal informiert, dass man für die Fahrt nach Xakanaxa den ganzen Weg bis South Gate zurück nehmen muss, um von dort dann die Stichstrasse zu nehmen - die Abkürzung über den Bodumatau-Loop ist nach wie vor überschwemmt.


Infobox: Zum Zeitpunkt unserer Reise Ende Dezember 2021 war die 3rd Bridge schon eine Weile defekt - durch die jährliche Flut der vorangegangen Saison zerstört. Daher musste sie neu aufgebaut werden, was dann noch eine geraume Zeit in Anspruch nehmen sollte. Diese Holzbrücke über einen Wasserarm des Deltas ist die wichtigste (und einzige direkte) Verbindung zwischen 3rd Bridge und Xakanaxa, weshalb wir eben dann den Umweg zurück über South Gate nehmen mussten.

Wir checken ein für Campsite #2, die an und für sich sehr schön ist, allerdings aber sehr nah an der #1 - und die ist belegt. Da wir aber beim Vorbeifahren gesehen haben, dass etliche andere nicht besetzt sind, gehen wir kurz zurück und fragen, ob wir uns umstellen dürfen. Auf der #3 sei gestern niemand gekommen und falls die heute nicht mehr auftauchen, könnten wir dort bleiben.


Erstmal räumen wir nur ein paar Sachen aus dem Auto und stellen den Tisch und die Stühle hin und bereiten uns ein Frühstück. Gerade als wir fertig mit Essen sind, kommt die für hier gebuchte Familie doch noch und so räumen wir halt trotzdem alles auf die #2.


Dort baue ich mein Zelt auf mit schönem Ausblick auf den Papyrus und einen kleinen Ausschnitt eines Wasserarms. Ein Senegalliest (Woodland Kingfisher) ruft immerfort ganz in der Nähe.


Ein Blauastrild (Blue Waxbill) hüpft derweil auf unserer Campsite rum

Um 16 Uhr sind wir wieder unterwegs auf Pirsch. Gleich zu Beginn bei den Teichen kurz vor dem Camp sind viele Impalas, Zebras und Gnus anzutreffen. Wir fahren 11 km auf der nördlichen Spur vom Mboma Loop, das ist einfach eine wunderschöne Gegend, abwechselnd mit immer wieder offenen Ebenen, schönen Mopane-Wäldern und Palmen. Die Vogelwelt hier ist wirklich einzigartig, viele neue Arten bestimmen wir, das geht richtig ab heute.


Karminspint (Southern Carmine Bee-eater)

Im hinteren Teil der Strecke öffnet sich der Blick über weite Sumpfebenen, wo mehrere Herden Elefanten grasen - wo man hinguckt, überall sind Elefanten verstreut.



Nach einem schönen, grossen Baobab im Laub drehen wir um und fahren wieder zurück.



Gegen 18:30 sind wir bei den Tümpeln kurz vorm Camp zurück, kurven noch ein bisschen rum und fahren dann auf unsere Campsite.


Passiert auch nicht alle Tage; der sonst so flinke und schnell fortfliegende Wiedehopf (African Hoopoe) hält ein paar Sekunden für ein Foto still


Zum Abendessen bereiten wir uns sehr gelungene Älplermakkaronen mit Speck.


Infobox: Für unsere Nicht-Schweizer: Das ist ein sehr typisch, urig-schweizerisches Gericht aus Makkaroni, Kartoffeln, Zwiebeln, Rahm (Sahne) und geriebenem Käse und wahlweise Fleisch (viele Rezepte mit Speck, unsere Familie macht es aber eigentlich mit Cervelat - DER Schweizer Wurst schlechthin). Das sind so ein bisschen unsere Spaghetti Carbonara: ein jeder weiss ganz genau, dass das Rezept aus seiner Familie / seiner Ecke des Landes garantiert das einzig richtige ist!

Während dem Kochen mache ich mit dem Satelittentelefon den vereinbarten «Contact Call» mit meiner Partnerin zuhause. Unsere Nachbarn von der #1 kriegen das mit und kommen kurz darauf vorbei und fragen, ob sie wohl nicht auch mal kurz nach Hause telefonieren dürften. Nur zwei Minuten!, versprechen sie uns und machen dann kurzerhand ziemlich dreist mehr als 5 Minuten draus, bedanken sich knapp, zischen ab auf ihre Campsite und belästigen uns noch etwas mit Musik...


Zum Einbruch der Nacht entwickelt sich eine tolle, einfach einmalige Geräuschkulisse. Viele Frösche sind zu hören, Grillen zirpen, Hippos grunzen. Wir sitzen noch eine Weile am Feuer und können die herrliche Stimmung dann doch auch noch ohne künstliche Beschallung von nebenan geniessen.


Daten des Tages

Tageshöchsttemperatur: 31° C

Tageskilometer: 75,2 km


Donnerstag, 30. Dezember 2021

3rd Bridge Campsite

Beenie’s Geburtstag! Wir «verschlafen» aber etwas und sind erst um 5:20 Uhr wach, machen aber hin und können trotzdem schon um 5:40 Uhr zum Gamedrive aufbrechen.


Zuerst ziehen wir uns an einem der ersten Tümpel einen spektakulären Sonnenaufgang rein mit schöner Kulisse eines abgestorbenen Baumes im Vordergrund.



Auf der Ebene vor dem Camp grasen einige Herbivoren: Gnus, Impala, Zebras (davon eines mit ziemlich tief klaffenden Wunden, schätzungsweise kommen hierfür nur Löwen oder Tüpfelhyänen in Frage) im schönsten Morgenlicht - dem letzten für einige Stunden, danach verschwindet die Sonne hinter einem dichten Wolkenschleier.



Dann suchen wir und finden schliesslich die südliche Einfahrt zum Mboma Loop. Anfangs befindet sich die HATAB-Campsite MGR12, das ist ein urig schöner, friedlicher Platz im Wald, mit freiem Blick auf eine Schwemmebene und einen Weiher. Eine knappe halbe Stunde stehen wir da und geniessen den friedlichen Morgen.



Anschliessend fahren wir die ganze Runde um die Mboma Halbinsel, fahren langsam, halten viel und oft auch länger. Zweimal treffen wir auf grössere Elefantenherden im Dickicht, erste Wasserböcke werden gesichtet, natürlich auch wieder viele Vögel - darunter auch ein paar Erstsichtungen, einen Grillkuckuck (Black Coucal) und einen Weissbrauenkuckuck (White-browed Coucal).


Wasserbock (w)

Grünmeerkatze

Familienbanden

Einmal erwischen wir drei Zwergspinte (Little Bee-eater) bei der Jagd, schön auf fototauglicher Augenhöhe und ganz nah, so dass mir ein paar schöne Bilder gelingen.


Zwergspint (Little Bee-eater)



Sehr gemütlich zuckeln wir auf der anderen Seite des grossen Loops wieder zurück. Nun sehen wir nicht mehr so viele Tiere, hin und wieder Giraffen, Zebras, Gnus, einmal eine Gruppe Tsessebe mit Kälbern. Es ist eine sehr schöne Ausfahrt geworden, gut gut fünf Stunden waren wir unterwegs.


Auf der Ebene vor dem 3rd Bridge Camp treffen wir noch einmal auf das verletzte Zebra. Die Natur hält für alles Lösungen bereit; ein paar Gelbschnabel-Madenhacker (Yellow-billed Oxpecker) laben sich an den offenen Wunden auf dem Rücken des Pferds.



Zurück in unserem Lager ist «Früh»-stücken angesagt - es gibt aufgewärmte Älplermakkaronen. Danach gibt es eine wohltuende Dusche und im Zelt wird etwas gelesen und eine Mütze Schlaf nachgeholt.


Heute Nachmittag unternehmen wir keinen Gamedrive mehr, da wir in aller Ruhe ein feines Ragout mit Kartoffelstock zubereiten wollen. Das war Beenie’s Wunschgericht zu seinem Geburtstag.


Aus dem kleinen Tuck Shop am Gate gibt es einen erfrischenden Cooldrink, die wir bei einem «Stadt-Land-Fluss» zischen. Danach unternehme ich noch ein paar Versuche, die Woodland Kingfisher zu fotografieren. Ich beobachte, wie sie aus dem Nest in einem Loch am Stamm des abgestorbenen Baumes auf der Nachbar-Campsite hin und her fliegen, wahrscheinlich, um die Jungen (oder das brütende Weibchen) zu füttern. Ich nähere mich ganz vorsichtig und verstecke mich gar mit meinem Campingstuhl im Gebüsch nebenan, aber leider kommen sie dann doch nicht mehr zurück.


Senegalliest (Woodland Kingfisher) an der Nisthöhle

Im Gebüsch direkt an unserem Stellplatz präsentiert ein Blauastrild-Männchen einen Grashalm, mit welchem er wohl seine Auserwählte zu überzeugen versucht, ein Nest bauen zu dürfen:



Dann machen wir ein Feuer und bereiten das Ragout im Potjie zu. Den Werdegang des Abendmahls überwachen wir bei einer Partie Würfeln. Das Essen dann ist absolut herausragend, die lange eingekochte Rotweinsauce ist einfach vom Allerfeinsten.


Das Geburtstagskind freut sich über das leckere Essen

Auf der noch vorhandenen Restglut backe ich dann noch Roosterkoek für den nächsten Tag. Nach dem Aufräumen, als wir grad am Zähneputzen sind, kommt der Nachbar zu uns rüber und meint, da sei ein Leopard grad bei ihnen bei der Campsite vorbeigehuscht. Wir verpassen ihn wohl um fünf Sekunden oder so (warum auch immer er dann, wenn ein Leopard durch das Camp schleicht, auf die Idee kommt, zwischen den Stellplätzen hin und her zu laufen - schieben wir es mal auf den Adrenalinkick). Sie fahren mit dem Auto noch auf dem Camp rum und sie rufen uns zu, wir sollen ihnen folgen. Das geht aber nicht, denn wir haben das Dachzelt schon aufgeklappt gehabt.


Danach verkriechen wir uns in unsere Zelte zum Lesen, die Nachbarn sind auch wieder zurück und sobald es ruhig geworden ist, tauchen auch schon die beiden Tüpfelhyänen wieder auf und schleichen durch das Camp. Zuerst rüttelt sogar eine kurz am Auto, wo Beenie im Dachzelt oben schläft. Ich bin schon halb eingeschlafen, als ich es knacken höre. Die Hyäne hat wohl den im Canopy eingeschlossenen Abfall oder von unserem Food gewittert und versucht, irgendwie dran zu kommen. Sobald sich Beenie bewegt hat und mit der Pfunzel runterzündet, trollt sie sich ein wenig und wenig später sind sie schon wieder weg.


Daten des Tages

Tageshöchsttemperatur: 31° C

Tageskilometer: 32,8 km


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