top of page
  • AutorenbildSam

Kapitel 12 - Okavango-Delta Teil II

Von herunterkrachenden Ästen, Büffeln als Nachbarn, grandiosen Pirschfahrten rund um Xakanaxa vor dramatischen Kulissen und schnellen Wildhunden.


Freitag, 31. Dezember 2021

3rd Bridge Campsite - Xakanaxa Campsite

Die nächtliche Geräuschkulisse ist einfach wieder umwerfend: Hippos, Löwen, Hyänen, Frösche und am ganz frühen Morgen als erstes geben immer die Rotschnabelfrankoline mit einem lang gezogenen, hysterisch wirkenden Gackern an.


Ausblick von meinem Zelt auf der 3rd Bridge Campsite - Okavango-Delta zur Regenzeit at it's best

Trotzdem mögen wir beide noch nicht so recht aufstehen und bleiben noch einen Moment liegen. Um 6:40 Uhr machen wir uns auf, den ganzen Weg zurück bis zum South Gate in Angriff zu nehmen.


Bei den Tümpeln gleich ausserhalb vom Camp halten wir nach dem verletzten Zebra Ausschau, es ist aber nirgends mehr zu sehen.



Unterwegs ist scheinbar nicht besonders viel los, aber immer wieder treffen wir auf Impalas, einige Zebras, vereinzelt Gnus, zwei Mal auch auf Elefanten, davon einmal ein Trupp zum Teil richtig grosser Bullen, und eine grosse Horde Paviane.




Auf der South Gate Campsite legen wir eine kurze Frühstückspause ein mit gut gelungenen Roosterkoek.


Die Piste nach Xakanaxa ist recht gut, vor allem breit, man kommt etwas flotter voran, aber auch hier hat es sehr viele Pfützen.



Insgesamt eigentlich recht locker, aber halt trotzdem etwas anstrengend zu fahren. Kurz nach 12 Uhr sind wir auf der Xakanaxa Campsite #3, welche gleich am nächsten zum östlichen Ablution Block unter einem riesigen Schattenbaum liegt.


Als unser Camp steht, gibt es eine schöne Pause bei Kaffee und einem Würfelspiel im Schatten. Dabei hören und sehen wir kurz ein paar Goldbugpapageien (Meyer’s Parrot), welche direkt über uns hoch oben in der Baumkrone rumturnen.



Auf dem Nachmittags-Fährtchen geht es zuerst zu den Paradise Pools nordöstlich vom Camp und dem alten Airstrip. Gleich nach der Abfahrt treffen wir auf unseren ersten Büffel direkt am Wegesrand. Er ist aber sehr entspannt, kümmert sich gar nicht um uns und ist sogar derart nah, dass ich nichtmal gescheit ein Foto hinbekomme.


Rund um die Paradise Pools ist es wirklich paradiesisch schön, eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch mit vielen abgestorbenen Bäumen, die an oder auch in den vielen dutzend Tümpeln stehen, die es hier je nach Flut gibt. Perfektes Gebiet für Impalas, welche wir zuhauf sichten, dazu auch noch ein paar von den schönen Lechwe-Antilopen.



Dann kommen wir wegen meiner nicht mehr ganz druckfrischen Karte, die auch nicht mehr aktuell zu sein scheint, an den neuen Airstrip und fahren irrtümlich einmal ganz drum rum.

Also geht es stattdessen auf demselben Weg, wie wir gekommen sind, zurück zum Gate, dann links in Richtung 3rd Bridge und durch den grossen, eindrücklichen Mopanewald.


Dort biegen wir dann ab in westliche Richtung zu den Jesse’s Pools - mit die schönste Gegend überhaupt im Moremi aus meiner Sicht und eine meiner absoluten Lieblingsecken in ganz Afrika. Eine Märchenlandschaft aus Sumpf, Schwemmebenen, Tümpel, abgestorbenen Bäumen, grossen Grasebenen, das echte, wilde Afrika. Hippos sind am Grasen oder liegen im Schlamm, Schreiseeadler sitzen auf den toten Bäumen, Sattelstörche und verschiedene Reiher staksen durch das seichte Wasser.



Im Totholzgeäst an der Piste erwischen wir wunderbar im Abendlicht einen Senegalliest (Woodland Kingfisher) an seinem Ansitz. Er ist auf der Jagd, fliegt immer wieder auf, taucht in den Tümpel und kommt auch mal erfolgreich mit Beute zurück, die er dann auf den Ast schlägt.



Wir holpern zurück durch tiefe Fahrspuren im Schlamm und sind grad rechtzeitig vor Torschluss im Camp. Zum heutigen Abendmahl gibt es einen Zitronenrisotto mit grünen Bohnen und das restliche Ragout von gestern - mundet!



Daten des Tages

Tageshöchsttemperatur: 34° C

Tageskilometer: 119,2 km


Samstag, 1. Januar 2022

Xakanaxa Campsite

Irgendwann noch vor Anbruch der Morgendämmerung grunzt ein Hippo derart nah bei meinem Zelt, dass ich sogar die Vibration des Basses über den Zeltboden spüre. Weit entfernt brüllen Löwen. Happy New Year!


Sonnenaufgang über den Schwemmebenen des Khwai

Wieder bleiben wir etwas länger liegen und entscheiden dann spontan, heute Morgen nicht rauszufahren. Stattdessen geniessen wir den Morgen und Tag bei Kaffee im Zelt, Tagebuchschreiben, Arbeiten im Camp, Spielen, Geschirrspülen und mit dem Fernglas ins Gemüse zu gucken. Als spätes Frühstück machen wir uns Salzkartoffeln mit Weissen Bohnen aus der Dose und bereiten später auch gleich noch unsere Schnitzel für das Abendessen vor.


Tipps aus der #safaribrothers Bush Kitchen: Aus Sirloin Steak lassen sich hervorragend Schnitzel schneiden und klopfen. Mangels Paniermehl haben wir uns mit zerbröselten Cornflakes ausgeholfen und diese mit Weissmehl und Ei zu einer Panade angemischt - funktioniert auch bestens!

Kurz vor 16 Uhr machen wir uns bereit für den nächsten Gamedrive. Wir fahren zuerst in Richtung der Dead Tree Island, durch eine wunderschöne, wildromantische Landschaft, mit hohem Gras, dramatischen Wolken und düsterer Gewitterfront, trotzdem leuchtet die Sonne die Landschaft meistens perfekt aus.



Wir sehen viele Impalas, einige Herden Lechwes, viele Zebras, etliche Wasserböcke, Elefanten, Paviane, Meerkatzen, Mangusten, Vögel natürlich und in den Tümpeln allüberall sind Hippos daheim.



Wir kurven viel in der Gegend rum, teils ohne Orientierung, die Wege bestehen immer wieder aus extrem ausgefahrenen Furchen, Schlammlöchern und Wasserdurchfahrten. Die pure Wildnis, der absolute Frieden.



Zum Ende der schönen Runde stellen wir uns wieder bei den Jesse’s Pools hin.



Dabei beobachten wir länger einen einzelnen, grossen Elefantenbullen, der friedlich vom frischen Schilfgras (oder Papyrus?) frisst. Dabei nimmt er immer nur das Grün, die Wurzeln lässt er wieder fallen.



Einige Wasserböcke präsentieren sich im besten Licht, dann holpern wir zurück und sind pünktlich um 19 Uhr wieder auf der Campsite.



Direkt neben meinem Zelt, vielleicht zwei Meter, liegt ein grosser, schwerer Ast des Baumes - von den starken Fallwinden, die vom aufziehenden Gewitter begleitet wurden, weggerissen. Da haben wir aber richtig viel Glück gehabt!


Während wir das Abendessen zubereiten, kommen die zwei offenbar recht ortstreuen Büffel vorbei und bewegen sich grasend völlig unbekümmert, teils knapp 10 m von uns entfernt, langsam an uns vorbei.


Ein sturzbetrunkener Mitarbeiter stolpert mit einem Drink in der Hand ins Camp, nuschelt etwas Unverständliches und bleibt dann einfach völlig planlos neben uns stehen. Der latscht hier einfach ohne Licht mitten durch den Busch, direkt an den beiden Büffeln vorbei. Nachdem wir mit Sprechen in normalen Tonlagen nicht zu seinem vernebelten Verstand durchdringen können, schicken wir ihn etwas resoluter weg, denn wir wollen jetzt essen. Es gibt frische, selbstgemachte Pommes im Öl frittiert mit Peperonigemüse und den wirklich super gelungenen Schnitzel.



Kurz nach dem Zubettgehen grast ein Hippo direkt im Camp neben den Ablutions.


Daten des Tages

Tageshöchsttemperatur: 36° C Tageskilometer: 22,4 km


Sonntag, 2. Januar 2022

Xakanaxa Campsite

Unser Biorhythmus verändert sich etwas, wir wachen jetzt jeweils rund eine viertel Stunde später auf. Dafür aber zu einem wunderschönen Sonnenaufgang.



Wir sehen gleich beim Start unserer Ausfahrt Büffel, Lechwes, Hippos, Zebras, Impalas, Meerkatzen, Paviane, weit weg auch eine Giraffe, Wasserböcke, einen ersten Goliathreiher und gleich mehrere Schreiseeadler (African Fish Eagle).



Eigentlich wollten wir wieder zu den Jesse’s Pools, verfahren uns dieses Mal komischerweise aber komplett und landen viel weiter südlich als gewollt. So machen wir halt eine grössere Runde und fahren weiter in Richtung der 3rd Bridge und bei der Lions Den Pan vorbei - auch eine sehr schöne Gegend.


Karminspinte, ein Waffenkiebitz und Lechwes auf einem Bild vereint

Kurz darauf wird der gute Ansitz von einer Gabelracke übernommen

Südlich von der 4th Bridge fahren wir noch bis zu einer mega schönen «HATAB»-Campsite (Hospitality and Tourism Association of Botswana, eine Tourismus-Vereinigung und deren privaten Campsites man nur mit geführten, so genannten Mobile Safaris nutzen darf), von wo wir längere Zeit noch Zwergspinte (Little Bee-eater) beobachten und Fotos machen. Danach fahren wir langsam wieder zurück.


Weitblick an der HATAB-Campsite

Zwergspint (Little Bee-eater)

Zum Frühstück gibt es einen super Busch-Zmorgen mit «Tortillas Patatas», aufgepeppt mit allem möglichen aus dem Gemüsefach; Tomaten, Peperoni (Paprika), Karotten und Chilis. Den Rest des Mittags verbringen wir wie üblich mit Lesen, Dösen, Abwasch machen und etwas Kleider waschen und einer Partie Rommée.


Die Pirsch am Abend führt uns zu den Paradise Pools und wir stellen uns an ein, zwei Orten für längere Zeit hin, palavern und gucken ins Juhee.



Überall sind Herden Lechwes zu sehen, in einem der Deiche entdecken wir ein kleineres Krokodil.



Dann fahren wir noch etwas in der Gegend rum, machen einen kurzen Loop und in einem etwas waldigeren Abschnitt sehe ich eine Bewegung: «Was ist das?» - Wildhunde!


Es sind deren vier an der Zahl und sie stehen direkt auf der Piste. Einer kommt frontal auf unser Auto zugelaufen, bleibt einen Meter vor der Kühlerhaube stehen und guckt uns kurz an, dann trabt er davon und verschwindet. Ein anderer kackt noch auf den Weg und schon sind sie blitzschnell wieder weg. Wir hatten sie vielleicht während nicht einmal 60 Sekunden im Blick, wenn überhaupt, das Ganze ist sehr aufregend und die Fotos werden dann auch überhaupt nichts, auch, weil die Hundeartigen zuerst noch direkt auf dem Weg stehen.


Noch das beste von gerade mal drei Fotos - und zack, waren sie schon wieder weg

Wir fahren noch eine Schlaufe und nähern uns den flinken Jägern vond er anderen Seite, sehen sie aber schon nicht mehr.


Sieht man Wildhunde nicht an ihrem Ruheplatz oder bei ihrem Bau, sind sie jeweils unheimlich zackig unterwegs, in konstanter Bewegung und eine Sichtung dann eigentlich nichts als purer Zufall.


Dann müssen wir uns wieder auf den Weg zurück machen. Es ist wieder eine herrliche Abendstimmung.



Wir machen ein Feuer und grillieren unsere letzten Sirloin Steaks, dazu gibt es Folienkartoffeln und einen leckeren, gefüllten Butternutkürbis.



Daten des Tages

Tageshöchsttemperatur: 35° C Tageskilometer: 48,8 km


Montag, 3. Januar 2022

Xakanaxa Campsite - Crocodile Camp, Maun

Unsere Nachbarn, die Büffel, grasen in der Nacht direkt neben meinem Zelt, so nah, dass ich mich nichtmal traue, aufzusitzen und durch das Fliegengitter zu gucken. Einer rumpelt und zerrt auch mal an den abgefallenen Ästen, die ja fast auf mein Zelt gefallen sind tags zuvor.


Bei Tagesanbruch marschiert Beenie vorsichtig zum Ablution, als er um die Ecke biegt, stösst er beinahe mit einem der beiden Büffel zusammen. Vor Schreck schreit er auf, die grossen Huftiere interessiert das aber gar nicht.


Wir räumen gleich das Camp ab und fahren dann direkt los, um uns zum Abschied noch ein letztes Mal für eine ganze Weile an die Jesse’s Pools stellen.


«My happy place in Africa» - Die Morgensonne scheint freundlich an den Jesse's Pools




Dann fahren wir über das Gate beim alten Airstrip in Richtung South Gate zurück. Kurz nach der halb zugewachsenen Landepiste bei einem Tümpel stehen zwei Autos - tatsächlich sind uns doch noch zwei Löwen vergönnt, sie liegen neben dem Teich und schlafen. Wir warten eine gute halbe Stunde, viel mehr als kurzes Kopfheben ist aber nicht drin.



Dann fahren wir weiter, viele Pfützen sind inzwischen abgetrocknet, so dass wir recht gut vorankommen. Beim South Gate machen wir eine kurze Pause und begutachten die massiven Schlammspuren, die diese Tage im Moremi so hinterlassen haben.


Nach dem Schlamm vom Moremi...

Von hier aus fahren wir direkt nach Maun. Eigentlich hatten wir geplant, von Xakanaxa aus über das North Gate zu fahren und noch zwei Nächte in der Khwai Consession zu verbringen. Aufgrund der doch sehr üblen Pistenverhältnisse, aufziehendem Regen und der sich zu Ende neigenden Diesel- und Essensvorräte haben wir dann aber spontan entschieden, bereits früher nach Maun zurückzukehren und einen neuen Plan auszuhecken.


Zuerst fahren wir direkt in die Stadt, um zunächst mal etwas zu Mittag zu essen. Die vielfach gelobte «Marc’s Eatery» hatte aber leider geschlossen. Also wurde es noch einmal «Nando’s», wo es ein scharfes Peri-Peri Chicken gibt.


Dann tanken wir bei Engen voll und fahren wieder raus aus der Stadt in Richtung Audi Camp. Zuerst aber lassen wir am Stadtrand bei einem der dort ansässigen Car Wash die Karre putzen.


... und nach der Reinigung in Maun

Beim Audi Camp halten wir, gucken uns ein Tented Chalet und den Campingplatz an. Das gefällt uns aber überhaupt nicht, es ist ein trostloser, staubiger Platz hinter einer geschlossenen, hohen Mauer, also gehen wir halt nochmals nebenan ins Crocodile Camp und nehmen uns wieder ein Zimmer.


Frisch geduscht und umgezogen zotteln wir an die Bar und kredenzen uns einen Malawi Shandy. Zuerst fragen wir bei Bwana Tucke Tucke an, ob sich unsere Reservationen für den Nxai Pan National Park vorverlegen lassen, danach diskutieren wir ein wenig die weiteren Möglichkeiten, wobei uns die Idee kommt, anstatt in Maun so lange rumzuhängen, wir auch morgen direkt ins Boteti River Camp zurück fahren könnten. Von dort könnten wir dann entweder quer durch den Makgadigadi Pan National Park oder bei Bedarf auch aussen rum auf der Teerstrasse in den Nxai Pan NP fahren.



Ein Entschluss ist gefasst - so machen wir das. Danach begebe ich mich noch auf eine kurze Laufrunde von rund 30 Minuten durch das Quartier, bevor wir uns für das Abendessen parat machen.


Streckenabschnitt von Maun in das Moremi GR mit den drei Campsites

Daten des Tages

Tageshöchsttemperatur: 33° C Tageskilometer: 155,1 km


116 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comments


bottom of page